Hai2

Nurflügel-Elektrosegeler, thermik- und hangtauglich
Bauplan aus FMT 02/03 2007, Wolfgang Werling

Bauzeit: Mai bis September 2007, Erstflug 28.09.2007


Technische Daten

Spannweite 1930mm
Länge 840mm
Tragflächeninhalt 53.4dm2
Profil MH62 mod.
Fluggewicht 1270g oder 1550g, je nach Akku
Flächenbelastung 23.8g/dm2 mit 1270g Gesamtgewicht
RC-Funktionen Motor, HR/QR gemischt, Wölbklappen

Motor Hacker A30-22S
Akku NiMH 2/3A 7S 1300mAh oder NiMH SC 7S 3600mAh
Luftschraube 9x5" Aeronaut mit 47mm Mittelstück

Seit 2008 (jetzt mit Wölbklappen):
Motor Hacker A30-16M
Akku 4S LiFePo 2300mAh
Luftschraube Aeronaut 11x6" mit 47mm Mittelstück
Fluggewicht 1464g, Flächenbelastung 27.4g/dm2


Motivation

Nachdem ich mit dem Elektrospatz nicht nur Balsastaub sondern auch Balsaspreisel kennengelernt hatte, fühlte ich mich fit für mehr. Mein Geschmack war nach einem thermik- und hangtauglichen Motorsegler. Ein Nurflügel erschien mir vom Konzept her sympathisch, da ich schon 20 Jahre als Drachenflieger auf dem Buckel habe und deswegen gerne auch mal sowas schwanzloses an der Antenne hängen hätte. Zudem erscheinen mir die Nurflügel für den Hangbetrieb erheblich wendiger als die Leitwerksbrüder. Entsprechende Erfahrung habe ich schon mit einem EPP-Nurflügel gemacht. Und was aerodynamisch effizientes sollte es auch sein - jedenfalls im Vergleich zum Espatz, aber das ist wahrscheinlich ohnehin leicht.



Baubilder








Dieser Bauabschnitt hat mir besonders gefallen...









Die Flächen wurden hinten komplett durchgeplankt...







...und die Ruder dann ausgeschnitten. Die Trinkhalme nehmen später die Servokabel auf.



Einharzen der Steckungshülsen. Die hintere Steckung ist mit 6mm Federstahl, die vordere mit 8mm Kohlerohr ausgeführt.



Das Anschrägen der Ruderblätter mit der Methode von Robert Schweißgut.







Die Winglets, irgendie angefummelt, aber symmetrisch.



Erster Zusammenbau. Man beachte die balsabeplankte Flosse:





Und jetzt mit Oracover bespannt - die Ruderblätter fehlen hier:





Servohalterung, zum Einkleben an die Oberseitenbeplankung, und...



...Anlenkung diagonal durch den Flügel.





Anordnung der Komponenten im Rumpf. Hier abgebildet der fette 3600mAh Akku. Die Servoleitungen bekamen MPX-Stecker spendiert.



Voila, fertig für den Erstflug! Man beachte, die Wölbklappen fehlen noch, die zugehörigen Ruderblätter sind mit Tesa einfach auf Neutralstellung fixiert.







Besonderheiten, evtl. abweichend vom Plan

Ruderanlenkung quer durch Tragfläche. Eigentlich wollte ich die Oberseite der Flügel aerodynamisch sauber halten, aber in Ermangelung eines Golfrasens auf Clubgeländen, verbunden mit der Aussicht auf Grasbüschel die an den unten liegenden Anlenkungsteilen reissen, ging ich zur Diagonalanlenkung über. Diese hat den Vorteil der hindernisfreien Flügelunterseite bei einer aerodynamisch nicht zu sehr ruinierten Oberseite. Abgesehen davon sind die HR bei einem Nurflügel ohnehin schon in neutraler Stellung ein wenig nach oben ausgelenkt. Zusätzlicher Ausschlag nach oben wird dann mit dem Hebel unten am Ruderblatt schnell unmöglich.

Die Ruderklappen wurden nicht als Endleiste angehängt, sondern die Rippen bis zur Hinterkante verlängert, beplankt und später abgeschnitten. Das erschien mir einfacher als das Zuschleifen der nicht käuflich erwerbbaren Endleisten. Auf den Photos oben ist das auch erkennbar. Die verkasteten Ruder wurden dann mit einer Anordnung angeschrägt, die ich mir von Robert Schweißguts Buch "Einfach Flügel bauen" abgeschaut habe.

Die Seitenruderflosse ist als teilweise Tragwerkskonstruktion ausgeführt, allerdings nicht mit Folie bespannt sondern mit 1mm Balsa beplankt. Dann sollte ein Ringelpiez bei der Landung nicht gleich die Flosse abreissen. Das zusätzliche Gewicht nehme ich dafür in kauf.



Flugeigenschaften

Anfangs war ich sehr konservativ bezüglich der Schwerpunktlage und entsprechend hoch der HR-Ausschlag. Trotzdem flog die Kiste subjektiv anständig und die Landeeinteilung war trotz der nicht vorhandenen Wölbklappen kein Problem. Mit optimiertem SP weiter hinten und damit einhergehend nur noch wenig nach oben, gemäß Plan, angestelltem HR, fährt der Vogel aber schon wesentlich sportlicher, um nicht zu sagen, wie geölt, durch den Himmel. Dennoch ist die Handhabung, abgesehen von den höheren erreichbaren Geschwindigkeiten, sehr einfach. Der Hai fliegt sehr eigenstabil und das Überziehverhalten ist äußerst gutmütig. Nur die Landeeinteilung ist mittlerweile, wegen der nicht vorhandenen Wölbklappen, eine interessante Angelegenheit. Wer nicht zur Not 100m weiter ausgleiten kann als geplant, so wie ich auf den umgliegenden Wiesen, der sollte dringend die Wölbklappen vorsehen. Ich werde es auch bald nachholen.

Es war auf dem RCline-Forum zu lesen, daß der Hai2 nicht so gut auf Thermik anspreche. Das kann ich nun gar nicht bestätigen. Insbesondere mit dem leichteren Akku und damit einem Gesamtgewicht von 1270g war Aufkreisen mit den Bussarden durchaus drin. Und das im Grunde schon bei der zweiten Runde nach dem Austrimmen. Wenn erst auch der Pilot hinreichend eingetrimmt ist, dann sind noch mehr thermische Aufstiege zu erwarten. Vermutlich schlägt aber die Herbstinversion erst mal schneller zu.

Der angegebene Antrieb ist für Motorsegelbetrieb ausgelegt und daher bewußt nicht für Senkrechtstarts geeignet, dafür aber auch nicht unnötig schwer. Die Kiste zieht mit etwa 45 Grad gen Himmel und pro 1000mAh sind etwa drei Himmelfahrten bis zur Sichtgrenze möglich.

Hangfliegen habe ich noch nicht probiert, sollte aber gut funktionieren, insbesondere mit ein paar hundert Gramm mehr im Bauch, so die Windstärke es erfordert.



Stand der Dinge

Alles bestens, bald sollten aber die Wölbklappen rein.

08.10.2007 Heute ging es thermisch einwandfrei. Nach einer Minute motorisiertem Aufstieg, dem ohne Aufwind max. drei Minuten Abgleiten folgen, waren mir heute nach Motor aus 30 Minuten segeln und Aufstieg bis zur absoluten Sichtgrenze vergönnt. Das ist mein persölicher Thermikrekord mit dem Modell. Wäre schön, wenn es mit dem Drachen oder Gleitschirm genauso einfach wäre. Das lokale Bussardpaar sah meinen Hai wohl bald als unerwünschte Konkurrenz im Thermikschlauch an und einer der beiden setzte nach ein paar Warnrufen zum Angriff an. Ich lies den Hai mit gesenktem Haupt in gerader Linie davon saussen, aber der Bussard folgte ein paar hundert Meter mit angelegten Flügeln. Es war also zweifellos der Hai, der die beiden störte. Naja, an den Kameraden aus Balsa und Folie werde sich die Brüder wohl gewöhnen müssen. Zur Brutzeit bin ich dann wieder rücksichtsvoller - versprochen.
Der zweite Aufstieg nach einem Absaufer brachte dann immerhin nochmal 20 Minuten Thermikflug. Bei beiden Flügen war übrigens der schwere Akku an Bord, d.h. also 1550g Abbfluggewicht.

14.10.2007 Gastfliegen bei den Modellfliegern in Reutte.
Die Ausbeute sind ein super Film (YouTube Link) und die Photos unten.







Mein Hai will schon wieder in die Luft - auf zu neuen Ufern!!!


Frühjar 2008 Jetzt sind auch die Wölbklappen drin. Landen ist plötzlich eine sichere Nummer! Ausserdem habe ich den Antrieb auf Hacker A30-16M an 4S LiFePo 2300mAh umgestellt. Die Blätter sind Aeronaut 11x6". Damit geht es jetzt in wenigen Sekunden an die Sichtgrenze und der langwierige Aufstieg hat ein Ende.